Bevor Ihr über Räume, Regeln und Technik entscheidet, braucht Ihr ein gemeinsames Bild davon, wie Ihr in drei Jahren zusammenarbeiten wollt. Dieses Werkzeug führt eine gemischte Gruppe in ein bis zwei Tagen zu einem Zukunftsbild, das konkret genug ist, um daraus Entscheidungen abzuleiten.
Fast jedes Workplace-Projekt kommt an einen Punkt, an dem die Beteiligten merken: Wir reden über Schreibtische, aber wir meinen etwas anderes. Die eine Seite will Kosten senken, die andere will Kultur ändern, die dritte will endlich Ruhe zum Arbeiten. Solange diese Ziele unausgesprochen bleiben, wird jede Detailentscheidung zum Stellvertreterkonflikt.
Das Zukunftsbild macht diese Ziele explizit und verhandelbar. Es beschreibt in wenigen, präzisen Aussagen, wie Zusammenarbeit künftig aussehen soll: Wie entscheidet Ihr? Wie stimmt Ihr Euch ab? Wann seid Ihr zusammen, wann getrennt? Was erwartet Ihr voneinander an Verfügbarkeit, an Transparenz, an Verbindlichkeit?
Wichtig ist der Unterschied zu einem Leitbild. Ein Leitbild beschreibt Werte. Ein Zukunftsbild beschreibt Verhalten. „Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen“ ist ein Leitbildsatz und hilft nicht weiter. „Teams entscheiden über ihre Präsenztage selbst und geben sie bis Ende des Vormonats bekannt“ ist ein Zukunftsbildsatz — er lässt sich befolgen oder brechen.
Dieses Werkzeug ist inhaltlich eng verwandt mit unserem Trainings- und Begleitformat Start New Work. Wer eine umfassendere Standortbestimmung sucht, findet sie dort.
Der Ablauf funktioniert an einem langen Tag, besser an anderthalb. Plant die Pausen großzügig — die wichtigen Gespräche entstehen dort.
90 Minuten
Beginnt nicht mit der Zukunft, sondern mit der Gegenwart. Was funktioniert in der Zusammenarbeit heute gut? Was kostet unnötig Kraft? Sammelt konkret, mit Beispielen aus der letzten Woche, nicht mit Bewertungen.
Ein bewährtes Format: Jede Person beschreibt einen typischen Arbeitstag von morgens bis abends. Die Muster, die dabei auffallen, tragen den Rest des Workshops.
60 Minuten
Was kommt auf Euch zu, unabhängig davon, was Ihr wollt? Fachkräftesituation, Erwartungen von Bewerberinnen und Bewerbern, Kundenanforderungen, Regulierung, Technologie, Standortentscheidungen.
Diese Runde verhindert, dass das Zukunftsbild nur aus Wünschen besteht. Sie liefert die Randbedingungen, an denen es sich messen lassen muss.
2 bis 3 Stunden
Lasst Kleingruppen einen typischen Tag in drei Jahren beschreiben — als Szene, nicht als Aufzählung. Wer kommt wann wohin? Wie beginnt der Tag? Wo wird entschieden? Wie erfährt jemand, was er wissen muss?
Szenen sind unbequem, weil sie konkret werden müssen. Genau deshalb funktionieren sie. Aus vier Szenen lassen sich die Gemeinsamkeiten und die echten Differenzen sofort ablesen.
2 Stunden
Verdichtet die Szenen zu sechs bis zehn Aussagen. Jede Aussage braucht drei Teile: was künftig gilt, ein Beispiel dafür, und was das konkret kostet oder verändert.
Der dritte Teil ist der wichtigste und wird am liebsten weggelassen. Eine Aussage ohne benannte Konsequenz ist ein Wunsch.
60 Minuten plus zwei Wochen
Fragt in der Runde: Wo widerspricht sich das Bild? Wo passt es nicht zu dem, was wir über die Kräfte von außen gesagt haben? Danach geht das Bild in die Bereiche, bevor es beschlossen wird.
Diese Fragen bringen ein Zukunftsbild von der Schlagwortebene auf die Handlungsebene.
Ein großer Raum mit viel Wandfläche, Moderationsmaterial, und die Möglichkeit, in Kleingruppen ungestört zu arbeiten. Zwei bis drei Stellwände je Kleingruppe.
Aus dem Haus: aktuelle Kennzahlen zu Fluktuation und Besetzungsdauer, Ergebnisse der letzten Mitarbeitendenbefragung, die Regelungen zu mobiler Arbeit, und — falls vorhanden — die Tätigkeitsanalyse.
Für die Nacharbeit: ein Dokument von zwei bis drei Seiten. Länger liest es niemand, kürzer trägt es nicht. Das Zukunftsbild geht anschließend in die Spielregeln für den Open Space und in die Regeln für mobiles Arbeiten ein.
Ein Zukunftsbild entsteht in einem Raum, in dem widersprochen werden darf. Das ist leichter, wenn die Moderation nicht Teil der Hierarchie ist.
Workplace-Transformation ansehenEin Leitbild beschreibt, wer Ihr sein wollt. Ein Zukunftsbild beschreibt, was Ihr tun werdet. Der Unterschied zeigt sich daran, ob man den Satz brechen kann. Werte kann man nicht brechen, Verhaltensaussagen schon.
Zwölf bis fünfundzwanzig. Weniger bildet die Organisation nicht ab, mehr lässt sich an einem Tag nicht moderieren. Bei größeren Häusern lieber mehrere Durchläufe mit einer gemeinsamen Verdichtung.
Dann sollte sie das sagen — am besten zu Beginn. Ein Workshop, der Beteiligung simuliert, obwohl entschieden ist, richtet mehr Schaden an als gar keiner. Es gibt fast immer einen echten Gestaltungsspielraum; benennt ihn genau.
Für eine Standortbestimmung ja, für ein tragfähiges Zukunftsbild nein. Die Szenen und die Konsequenzen brauchen Zeit, und die entscheidenden Sätze entstehen meist am Nachmittag des zweiten Blocks.
Einmal jährlich reicht. Wichtiger als die Überprüfung ist, dass es im Alltag auftaucht: in Zielgesprächen, in Entscheidungen über Präsenz, in der Diskussion über neue Regeln.
Wenn Ihr vor einem Flächen- oder Arbeitsmodellprojekt steht und noch kein gemeinsames Bild habt, ist das der richtige erste Schritt. Sprecht uns an — 30 Minuten, kostenlos.
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