Bevor Ihr über Quadratmeter redet, solltet Ihr wissen, was in ihnen eigentlich getan wird. Die Tätigkeitsanalyse macht sichtbar, wie viel Zeit Eure Teams mit konzentrierter Arbeit, Dialogen, Teamarbeit und informellem Austausch verbringen — und liefert damit die Grundlage für jede Flächenentscheidung.
In fast jedem Flächenprojekt taucht früh eine Zahl auf: der Arbeitsplatzschlüssel. 0,7. 0,8. 0,6. Diese Zahl wird verhandelt, bevor irgendjemand weiß, wofür die Fläche eigentlich gebraucht wird. Das Ergebnis sind Flächen, die rechnerisch aufgehen und im Alltag nicht funktionieren.
Die Tätigkeitsanalyse dreht die Reihenfolge um. Sie fragt zuerst: Was tun die Menschen hier den ganzen Tag? Wie viel davon ist konzentrierte Einzelarbeit, die Ruhe braucht? Wie viel sind Zweiergespräche, Telefonate, Videocalls? Wie viel ist gemeinsame Arbeit an einem Thema? Und wie viel ist der informelle Austausch, der nirgends im Kalender steht und trotzdem die Hälfte der Abstimmung erledigt?
Erst wenn diese Verteilung auf dem Tisch liegt, lässt sich sinnvoll über Zonen, Modultypen und Mengen sprechen. Und erst dann hat der Arbeitsplatzschlüssel eine Grundlage, die einer Nachfrage standhält.
Die Analyse hilft außerdem in einer Situation, die fast immer eintritt: Zwei Bereiche behaupten, sie bräuchten dasselbe, und meinen etwas völlig Verschiedenes. Mit Zahlen im Rücken wird aus dieser Diskussion eine Entscheidung.
Die Analyse funktioniert als Kombination aus Selbsteinschätzung im Workshop und einer kurzen Beobachtungsphase. Beides zusammen ist deutlich belastbarer als eines von beidem.
30 Minuten Vorbereitung
Legt fest, mit welchen Kategorien Ihr arbeitet. Bewährt hat sich ein Satz von fünf: konzentrierte Einzelarbeit, Dialog zu zweit inklusive Telefonaten und Videocalls, Teamarbeit an einem gemeinsamen Ergebnis, informeller Austausch, und Sonstiges für alles, was nicht passt.
Wichtig: Die Kategorien müssen für alle dasselbe bedeuten. Schreibt je Kategorie zwei konkrete Beispiele aus Eurem Alltag dazu.
90 Minuten je Team
Jede Person schätzt für eine typische Woche, wie viel Prozent ihrer Arbeitszeit auf jede Kategorie entfällt. Erst allein, dann im Gespräch. Die Abweichungen zwischen den Einschätzungen sind dabei genauso interessant wie die Mittelwerte — sie zeigen, wo die Arbeit innerhalb eines Teams unterschiedlich aussieht.
Notiert auch, wo die Arbeit stattfindet: im Büro, zu Hause, beim Kunden, unterwegs. Ohne diese Information ist die Verteilung nur die halbe Antwort.
fünf Arbeitstage, wenige Minuten pro Tag
Selbsteinschätzungen weichen systematisch ab: Konzentrierte Arbeit wird überschätzt, Abstimmung unterschätzt. Deshalb läuft parallel eine kurze Erhebung. Jede beteiligte Person trägt an fünf Tagen dreimal täglich ein, was sie gerade tut und wo sie ist. Drei Klicks, keine Protokolle.
Alternativ oder ergänzend: eine Auswertung der Kalenderdaten des letzten Quartals. Sie zeigt Termindichte und Meetinganteil zuverlässig.
ein halber Tag
Führt Selbsteinschätzung und Erhebung zusammen und legt die Ergebnisse den Teams noch einmal vor. Die Frage lautet nicht „stimmt das?“, sondern „erkennt Ihr Euch darin wieder, und was fehlt?“.
Aus diesem Gespräch kommen die Randbedingungen, die in keiner Prozentzahl stehen: die Schicht am Montagmorgen, die Vertraulichkeit in der Personalabteilung, das Labor, das niemand verlegen kann.
Diese Fragen tragen den Workshop. Nehmt sie mit, auch wenn Ihr die Analyse ohne Begleitung macht.
Für den Workshop: Moderationskarten in fünf Farben, eine Stellwand oder eine große Wandfläche, Klebepunkte. Für die Erhebung reicht ein einfaches Formular — ein Online-Formular mit fünf Klickfeldern und einem Ortsfeld genügt.
Für die Auswertung braucht Ihr eine Tabelle mit einer Zeile je Person und je Tätigkeitsart, plus Ort. Mehr Werkzeug ist nicht nötig; alles Weitere macht die Auswertung langsamer, nicht besser.
Ergänzend hilfreich: eine Übersicht der bestehenden Flächen mit Quadratmetern und Platzzahlen. Sie wird spätestens im nächsten Schritt gebraucht, bei Von Tätigkeit zu Raummodul.
Wenn die Analyse Grundlage für eine echte Bauentscheidung sein soll, lohnt eine externe Moderation — schon deshalb, weil niemand aus dem Haus im Verdacht steht, ein Ergebnis zu bevorzugen.
Workplace-Design ansehenEs geht nicht um statistische Repräsentativität, sondern um die Bandbreite der Tätigkeiten. Drei bis sechs Personen je Nutzergruppe reichen, wenn sie die Unterschiede innerhalb der Gruppe abbilden. Bei sehr heterogenen Bereichen lieber eine Gruppe mehr bilden als mehr Personen befragen.
Sie liefert Zahlen, aber nicht die Begründungen. Die entscheidenden Hinweise kommen fast immer aus dem Gespräch: warum eine Tätigkeit an einem bestimmten Ort stattfindet, was daran heute nicht funktioniert. Die Befragung ersetzt den Workshop nicht, sie bereitet ihn vor.
Ja, mit Einschränkung. Nehmt dann als Gegenprobe die Kalenderdaten der letzten drei Monate. Sie zeigen zumindest den Termin- und Abstimmungsanteil verlässlich und korrigieren die häufigste Verzerrung.
Bei jeder Erhebung, die sich einzelnen Personen zuordnen lässt, ja — und früh, nicht am Ende. Praktisch ist es ohnehin sinnvoll, die Daten nur aggregiert auszuwerten. Personenbezogene Auswertungen bringen keinen Erkenntnisgewinn und kosten Vertrauen.
Dann habt Ihr die Analyse rechtzeitig gemacht. Das ist der Zweck. Es ist deutlich billiger, ein Konzept vor dem Bau anzupassen als eine Fläche nach dem Einzug.
Wenn Ihr vor einer Flächenentscheidung steht und nicht sicher seid, ob Eure Datenlage trägt, sprecht uns an. 30 Minuten, ohne Vorbereitung.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren