Offene Flächen scheitern selten an der Architektur und fast immer an fehlenden Absprachen. Dieses Werkzeug hilft Euch, in zwei Workshops ein Regelwerk zu erarbeiten, das kurz genug ist, um gelesen zu werden, und konkret genug, um zu wirken.
Wenn Menschen aus Einzel- und Zweierbüros in eine offene Fläche ziehen, verlieren sie etwas, das vorher selbstverständlich war: die Tür. Die Tür hat viele Fragen beantwortet, über die jetzt geredet werden muss. Darf ich Dich ansprechen? Darf ich hier telefonieren? Wie laut ist zu laut? Wo ist mein Zeug, wenn ich abends gehe?
Die meisten Konflikte in offenen Flächen entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus unterschiedlichen Annahmen. Die eine Person hält ein Telefonat am Platz für normal, die andere für eine Zumutung. Beide haben aus ihrer Erfahrung heraus recht. Erst eine ausgesprochene Regel macht daraus eine gemeinsame Erwartung.
Entscheidend ist dabei, wer die Regeln macht. Von der Projektleitung verteilte Regeln werden als Bevormundung erlebt und im Alltag ignoriert. Vom Team selbst beschlossene Regeln werden vom Team auch durchgesetzt — und das ist der einzige Durchsetzungsmechanismus, der auf Dauer funktioniert.
Die Hintergründe zu Zonen und Tätigkeitsmodi stehen unter Activity-Based Working. Hier geht es um das, was danach kommt: die Verabredungen.
Zwei Termine, dazwischen echte Praxis. Der zweite Termin ist der wichtigere — dort werden aus Vermutungen Erfahrungen.
45 Minuten im ersten Workshop
Fragt nicht nach Regeln, sondern nach Situationen. Was hat Dich in den letzten Wochen gestört? Wo warst Du unsicher, wie Du Dich verhalten sollst? Wo hast Du etwas getan, von dem Du nicht wusstest, ob es in Ordnung ist?
Sammelt ohne Diskussion. Die Liste ist meist überraschend kurz und überraschend konkret: Telefonate am Platz, Musik ohne Kopfhörer, Sachen auf dem Tisch am Feierabend, Ansprechen bei Kopfhörern, laute Videocalls, Essen an der Fläche.
60 Minuten
Zu jedem Reibungspunkt eine Regel. Formuliert sie positiv und in der Wir-Form: „Wir telefonieren in den Boxen“ statt „Telefonieren am Platz ist verboten“. Positive Formulierungen sagen, was zu tun ist, und lassen sich leichter erinnern.
Eine Regel braucht immer eine Antwort auf die Frage: Und wenn nicht? Nicht als Sanktion, sondern als Verabredung, wie man einander darauf anspricht. Der Satz „Wir sprechen uns direkt an, wenn etwas stört“ ist selbst eine der wichtigsten Regeln.
30 Minuten
Regelwerke mit dreißig Punkten liest niemand. Einigt Euch auf maximal zwölf. Was übrig bleibt, ist entweder Detailkram oder gehört in eine andere Zuständigkeit — etwa Reinigung, Technik oder Arbeitsschutz.
Prüft jede Regel: Kann man sie befolgen, ohne nachzudenken? Wenn nicht, ist sie zu kompliziert.
vier Wochen
Hängt die Regeln sichtbar aus und probiert sie aus. Bittet alle, zu notieren, welche Regel im Alltag nicht funktioniert und woran es liegt.
Rechnet damit, dass mindestens zwei Regeln scheitern. Das ist kein Fehler im Prozess, sondern der Sinn des Praxistests.
zwei Stunden im zweiten Workshop
Geht die Regeln durch: Was hat funktioniert, was nicht, was fehlt? Beschließt die Endfassung und verabredet einen Termin in einem halben Jahr für die nächste Überprüfung.
Klärt außerdem, wie neue Kolleginnen und Kollegen die Regeln erfahren. Ein Aushang reicht dafür nicht.
Wenn die Gruppe bei einer Regel nicht weiterkommt, helfen diese Fragen.
Für die Workshops: Moderationskarten, eine Stellwand, Klebepunkte für die Priorisierung. Für den Praxistest: ein sichtbarer Aushang auf der Fläche und ein einfacher Weg, Rückmeldungen zu notieren — ein Blatt an der Wand funktioniert besser als ein Formular.
Für die Endfassung: eine Seite, gut lesbar, in der Sprache des Teams. Keine Hausordnung, kein Formularlayout. Die Regeln sollen nach dem Team klingen, nicht nach der Verwaltung.
Ergänzend gehört dazu, was außerhalb der Fläche gilt — siehe Regeln für mobiles Arbeiten.
Wenn die Fläche schon Konflikte produziert hat, ist der Einstieg schwerer. Eine externe Moderation nimmt den Gesprächen die Vorgeschichte.
Spielregeln-Begleitung ansehenEin kurzer gemeinsamer Rahmen für alle, die konkrete Ausgestaltung je Fläche. Was auf einer stillen Etage gilt, passt nicht in einem Bereich mit viel Kundentelefonie. Der gemeinsame Rahmen sollte nicht mehr als drei bis vier Punkte umfassen.
Gar nicht im klassischen Sinn. Regeln, die das Team beschlossen hat, setzt das Team durch, indem es einander anspricht. Führungskräfte tun dasselbe wie alle anderen — und halten sich sichtbar selbst daran.
Das ist ein Führungsthema und kein Regelthema. Wenn wiederholtes Ansprechen nichts ändert, gehört das Gespräch in die Führungsbeziehung, nicht an die Pinnwand.
Bei Regeln, die das Verhalten am Arbeitsplatz betreffen, ist eine frühe Einbindung sinnvoll und je nach Ausgestaltung mitbestimmungspflichtig. Die konkrete rechtliche Einordnung klärt Ihr im Haus — wir beraten nicht rechtlich.
Nach dem ersten halben Jahr, danach jährlich oder wenn sich etwas Wesentliches ändert — neue Teams auf der Fläche, ein Umbau, ein veränderter Präsenzrhythmus.
Wenn auf Eurer Fläche gerade mehr diskutiert als gearbeitet wird, schauen wir uns gemeinsam an, woran es liegt. 30 Minuten, kostenlos.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren