Der Schritt, an dem die meisten Flächenprojekte holpern: Aus Prozentwerten müssen Räume werden. Dieses Werkzeug führt Euch von der Tätigkeitsverteilung über Modultypen zu einem Mengengerüst, das man gegen einen Grundriss halten kann.
Eine Tätigkeitsverteilung sagt: 40 Prozent konzentrierte Arbeit, 25 Prozent Dialog, 20 Prozent Teamarbeit, 15 Prozent informeller Austausch. Ein Grundriss sagt: 1.200 Quadratmeter auf zwei Etagen. Zwischen beidem liegt eine Übersetzung, die niemand geschenkt bekommt.
Diese Übersetzung entscheidet über den Erfolg der Fläche. Wer sie überspringt und direkt vom Arbeitsplatzschlüssel zu Möbeln geht, baut Flächen, in denen die Hälfte der Arbeit keinen Ort hat. Das fällt erst nach dem Einzug auf, und dann ist es teuer.
Der Weg führt über Raummodule: klar beschriebene Bausteine mit einer Funktion, einer Größenordnung und einer Ausstattung. Fokusplatz, Zweierbesprechung, Teamtisch, Projektraum, Telefonbox, Lounge, Stillarbeitsraum. Jeder Baustein bedient bestimmte Tätigkeiten. Wenn Ihr wisst, wie viel von jeder Tätigkeit anfällt, könnt Ihr ausrechnen, wie viele Bausteine welchen Typs Ihr braucht.
Der Vorteil dieser Systematik: Jede Zahl im Ergebnis lässt sich auf eine Annahme zurückführen. Wenn die Geschäftsführung fragt, warum es acht Telefonboxen sein müssen und nicht vier, gibt es eine Antwort, die nicht auf Bauchgefühl beruht.
Rechnet in vier Durchgängen. Nach jedem Durchgang steht eine Zahl, die Ihr im nächsten wieder in Frage stellt.
60 Minuten
Beschreibt die Bausteine, mit denen Ihr arbeitet. Für jeden Baustein: Funktion, Personenzahl, ungefähre Fläche, Ausstattung, Akustikanforderung. Acht bis zwölf Modultypen reichen für die meisten Häuser.
Nehmt keine Katalognamen von Möbelherstellern. Beschreibt, was in dem Modul passiert. Das erspart später die Diskussion, ob es ein „Think Tank“ oder ein „Focus Pod“ heißt.
60 Minuten
Ordnet jeder Tätigkeitsart die Module zu, in denen sie gut stattfinden kann — und notiert, wo sie schlecht stattfindet. Konzentrierte Arbeit funktioniert im Fokusplatz und im Stillarbeitsraum, nicht am Teamtisch. Dialog funktioniert in der Telefonbox und im Zweierraum, nicht im Open Space.
Diese Zuordnung ist der Kern des Ganzen. Nehmt sie ernst, auch wenn sie banal wirkt.
zwei bis drei Stunden
Für jede Nutzergruppe: Personenzahl × Anwesenheitsquote = gleichzeitig anwesende Personen. Diese Zahl mal dem Anteil der jeweiligen Tätigkeit ergibt den gleichzeitigen Bedarf je Tätigkeitsart. Daraus folgt über die Zuordnung aus Schritt 2 die Zahl der Module.
Rechnet mit einem Spitzenfaktor. Wenn alle dienstags kommen, ist der Dienstag der Maßstab, nicht der Durchschnitt. Ein Aufschlag von 10 bis 20 Prozent auf die Spitze ist üblich — er ist das, was zwischen „funktioniert“ und „jeden Morgen Platzsuche“ liegt.
ein halber Tag
Legt das Mengengerüst auf die verfügbare Fläche. Fast immer passt es beim ersten Mal nicht. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Was streicht Ihr, was schrumpft Ihr, was verlagert Ihr in die Zeit statt in den Raum?
Haltet fest, welche Annahme Ihr verändert habt, um die Fläche zu erreichen. Diese Liste ist später das Wichtigste am ganzen Dokument — sie sagt, wo das Konzept dünn wird, wenn sich etwas ändert.
Prüft das Ergebnis mit diesen Fragen, bevor Ihr es weitergebt.
Eine Tabelle mit einer Zeile je Nutzergruppe und Spalten für Personen, Anwesenheitsquote, Tätigkeitsanteile und die daraus folgenden Modulmengen. Eine einfache Tabellenkalkulation reicht völlig.
Dazu ein Blatt je Modultyp mit Beschreibung, Fläche und Ausstattung. Diese Blätter sind später die Grundlage für die Abstimmung mit Planung und Einkauf.
Hilfreich ist ein aktueller Grundriss im Maßstab, auf dem sich Module maßstäblich anlegen lassen — notfalls ausgedruckt und mit Papierschnipseln. Hintergrund zu den Modultypen steht unter Bürokonzept und Raummodule.
Das Mengengerüst ist der Punkt, an dem aus Beteiligung eine Entscheidungsvorlage wird. Wir rechnen es mit Euch durch und bringen die Erfahrung mit, welche Annahmen in der Praxis halten.
Workplace-Design ansehenDer Schlüssel ist ein Ergebnis dieser Rechnung, keine Vorgabe für sie. Er ergibt sich aus Anwesenheitsquote, Spitzenfaktor und Tätigkeitsmix. Wer ihn vorher festlegt, rechnet rückwärts auf ein Wunschergebnis zu.
Über die Anwesenheitsquote je Nutzergruppe und über die Verteilung auf Wochentage. Beides muss aus tatsächlichen Daten kommen, nicht aus einer Regelung. Was in der Betriebsvereinbarung steht und was gelebt wird, weicht fast immer voneinander ab.
Für das Mengengerüst nicht. Für alles danach schon. Die Reihenfolge ist wichtig: erst wissen, was gebraucht wird, dann gestalten lassen. Wir machen den ersten Teil und übergeben an die Planung.
Dann habt Ihr drei Stellschrauben: Anwesenheit über die Woche verteilen, Tätigkeiten verlagern, oder Standards senken. Die erste ist meist die wirksamste und die, über die am wenigsten gesprochen wird.
Immer wenn sich eine der dokumentierten Annahmen ändert — Personalzahl, Anwesenheitsmuster, Tätigkeitsmix. Nach dem Einzug lohnt eine Kontrollrechnung nach etwa einem halben Jahr.
Wenn Ihr bei der Übersetzung von Tätigkeiten in Mengen feststeckt, rechnen wir das gern gemeinsam durch. 30 Minuten Erstgespräch, kostenlos.
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