Barcamp und Culture Camp

In einem Barcamp bestimmen die Teilnehmenden selbst, worüber gesprochen wird. Ein Culture Camp nutzt dieses Prinzip für die Kulturarbeit. Beides sind starke Formate, um viele Menschen zu beteiligen – diese Anleitung zeigt, wie Ihr sie aufsetzt.

Kurz gesagt

Ein Barcamp hat keine vorab festgelegte Agenda: Zu Beginn schlagen die Teilnehmenden Sessions vor, daraus entsteht der Plan für den Tag. Ein Culture Camp gibt dafür ein Rahmenthema vor – Eure Kultur – und sorgt dafür, dass die Ergebnisse in den Kulturprozess zurückfließen. Entscheidend ist, dass sichtbar etwas daraus folgt.

Das Prinzip

Barcamps sind aus der Technologieszene bekannt und werden oft als Unkonferenz bezeichnet. Statt Vorträgen vom Podium gibt es Sessions, die die Teilnehmenden selbst anbieten: Diskussionen, Fragen, Erfahrungsberichte, Workshops.

Für Unternehmen ist das Format so wertvoll, weil es die üblichen Rollen aufbricht. Die Auszubildende kann eine Session anbieten, in der die Geschäftsführung mitdiskutiert. Themen kommen auf den Tisch, die in keinem Meeting Platz hätten.

Blick von hinten in einen Veranstaltungssaal auf eine Bühne mit einer Präsentation über New Work

Der Ablauf eines Tages

  • Ankommen und Einführung: Prinzip und Spielregeln erklären, Rahmenthema setzen.
  • Vorstellungsrunde: Alle stellen sich mit drei Stichworten vor – so wird sichtbar, wer da ist.
  • Sessionplanung: Wer ein Thema hat, stellt es in einem Satz vor. Der Raum entscheidet per Handzeichen, welche Sessions stattfinden, und verteilt sie auf Räume und Zeiten.
  • Sessions: meist mehrere Runden à 45 Minuten, parallel in mehreren Räumen.
  • Abschluss: Jede Session berichtet kurz, was herausgekommen ist und was weitergehen soll.

Was ein Culture Camp anders macht

Ein Culture Camp nutzt das Barcamp-Prinzip gezielt für die Kulturarbeit. Das Rahmenthema ist Eure Kultur – etwa entlang der Ergebnisse einer Kulturanalyse oder der Werte aus einem Werte-Prozess.

  • Ein Teil der Sessions ist vorbereitet, etwa zu den Schwerpunkten aus der Analyse.
  • Kulturpioniere übernehmen Sessions und tragen die Ergebnisse in ihre Bereiche.
  • Am Ende steht eine Liste mit Vorschlägen, zu denen der Kern innerhalb weniger Wochen Stellung nimmt.

Rollen und Vorbereitung

  • Moderation: führt durch die Sessionplanung, hält den Zeitplan und sorgt für die Spielregeln.
  • Orga-Team: Räume, Material, Verpflegung, Dokumentation.
  • Geschäftsführung: nimmt teil, nicht als Ehrengast, sondern als Teilnehmende – und sagt vorab zu, dass Ergebnisse Folgen haben.
  • Dokumentation: Jede Session hält Kernpunkte und nächste Schritte fest, auf einer Vorlage, die alle kennen.

Formate, die sich für einzelne Sessions eignen, beschreibt unser Werkzeug Liberating Structures im Bereich Agiles Arbeiten.

Typische Fallstricke

  • Keine Folgen. Wer einen Tag lang Ideen sammelt und danach nichts davon umsetzt, beschädigt Vertrauen.
  • Die Führung dominiert. Wenn nur Führungskräfte Sessions anbieten, ist es eine Konferenz mit anderem Namen.
  • Zu viel Struktur. Ein Barcamp mit festgelegter Agenda ist kein Barcamp mehr.

Häufige Fragen

Was ist ein Barcamp?

Ein Veranstaltungsformat ohne vorab festgelegte Agenda. Die Teilnehmenden schlagen zu Beginn selbst Themen vor, aus denen der Plan für den Tag entsteht. Es wird deshalb oft als Unkonferenz bezeichnet.

Was ist ein Culture Camp?

Ein Barcamp mit dem Rahmenthema Unternehmenskultur. Es beteiligt viele Menschen an der Kulturarbeit und sorgt dafür, dass ihre Beiträge in den Kulturprozess zurückfließen.

Wie viele Teilnehmende braucht ein Barcamp?

Das Format funktioniert ab etwa zwanzig Personen und skaliert gut bis in den dreistelligen Bereich, wenn genügend Räume zur Verfügung stehen.

Kann man ein Barcamp auch online machen?

Ja, mit Breakout-Räumen und einem digitalen Sessionplan. Das Gespräch zwischen den Sessions, das vor Ort oft das Wertvollste ist, lässt sich online allerdings schwer ersetzen.

Lieber mit Begleitung?

Wir richten Barcamps und Culture Camps für Euch aus – von der Vorbereitung über die Moderation bis zur Nachbereitung, damit aus den Ideen etwas wird.

Zum Beratungsangebot