Werte, die in der Geschäftsführung formuliert und dann verkündet werden, bleiben meist Papier. Werte, die viele gemeinsam erarbeitet haben, tragen. Diese Anleitung zeigt, wie ein Werte-Prozess abläuft.
Ein Werte-Prozess ist eine Workshopreihe mit wechselnden Gruppen aus allen Ebenen und Bereichen. Er beginnt nicht mit Wunschwerten, sondern mit Geschichten aus dem Alltag, verdichtet sie zu wenigen Werten und übersetzt jeden Wert in Prinzipien und Verhalten. Am Ende stehen weniger Werte als gedacht – aber welche, die jeder erklären kann.
Werte wirken nur, wenn Menschen sie mit eigenen Erfahrungen verbinden. Ein Wert, den man selbst mit formuliert hat, erkennt man im Alltag wieder. Ein Wert aus der Kommunikationsabteilung erkennt man vor allem im Flur – auf dem Plakat.
Deshalb ist die Beteiligung kein Nice-to-have, sondern der Kern der Methode. Sie kostet Zeit, und sie spart später sehr viel Überzeugungsarbeit.
Beginnt nicht mit der Frage, welche Werte Ihr haben wollt, sondern mit Erlebnissen: Wann wart Ihr stolz auf dieses Unternehmen? Wann habt Ihr Euch geschämt? Was sollte hier nie wieder passieren? Aus diesen Geschichten lassen sich Werte ableiten, die schon da sind – und solche, die fehlen.
Sucht in den Geschichten nach wiederkehrenden Mustern und gebt ihnen Namen. Aus zwanzig Kandidaten werden in dieser Runde sechs bis acht. Wichtig: Jeder Kandidat braucht eine kurze Erklärung, was damit gemeint ist.
Reduziert auf drei bis fünf Werte. Mehr kann sich niemand merken, und jeder zusätzliche Wert verwässert die anderen. Prüft jeden Wert mit der Frage: Würden wir dafür auch einmal auf Geld oder Bequemlichkeit verzichten?
Formuliert zu jedem Wert ein Prinzip und zwei bis drei beobachtbare Verhaltensweisen. Wie das geht, beschreibt unser Werkzeug Von Werten zu Verhalten.
Stellt das Ergebnis der ganzen Organisation vor – mit den Geschichten, aus denen es entstanden ist. Und beginnt sofort mit dem ersten sichtbaren Schritt: einer Entscheidung, einem Ritual, einer geänderten Regel.
Mischt die Gruppen in jeder Runde neu: Geschäftsführung und Auszubildende, Zentrale und Außendienst, Langgediente und Neue. Die Geschäftsführung sollte in mindestens einer Runde mitarbeiten – nicht als Beobachterin, sondern als Teil einer Gruppe.
Hilfreich ist ein kleines Kernteam, das die Runden vorbereitet, die Ergebnisse verdichtet und zwischen den Runden Transparenz herstellt.
Drei bis fünf. Mehr kann sich niemand merken, und jeder weitere Wert schwächt die anderen.
Meist mehrere Wochen bis wenige Monate, weil zwischen den Runden Zeit zum Verdichten und Rückspielen gebraucht wird. Schneller geht es, aber dann leidet meist die Beteiligung.
Dann beginnt der Prozess mit der Frage, welche davon im Alltag gelebt werden und welche nicht. Oft ist es sinnvoller, bestehende Werte zu schärfen und zu übersetzen, als neue zu erfinden.
Indem Ihr jeden Wert in Verhalten übersetzt, die Systeme prüft, die dagegen arbeiten, und mit einem sichtbaren Schritt beginnt.
Wir gestalten und moderieren Werte-Prozesse als Workshopreihe mit wechselnden Gruppen – von der ersten Geschichtenrunde bis zur Übersetzung in Verhalten.
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