Campus Safari selbst durchführen

Der schnellste Weg, eine neue Fläche zu verstehen, ist, sie zu benutzen. Eine Campus Safari führt Gruppen von Führungskräften oder Teams in zwei bis drei Stunden durch die Fläche — mit echten Arbeitsaufgaben statt einer Führung.

Kurz gesagt

  • Ziel: die neue Fläche erleben statt erklärt bekommen — und dabei die dahinterliegende Arbeitslogik verstehen.
  • Aufwand: zwei bis drei Stunden je Gruppe, 8 bis 15 Personen pro Durchlauf.
  • Ergebnis: Teilnehmende, die wissen, welche Zone wofür gedacht ist, und die es selbst ausprobiert haben.
  • Wann: kurz vor dem Einzug oder in den ersten Wochen danach.
  • Wichtig: Es ist kein Rundgang. Wer nur zuhört, hat nichts gelernt.

Wofür eine Campus Safari gut ist

Der übliche Weg, eine neue Fläche einzuführen, ist der Rundgang: Jemand geht voran, zeigt die Zonen, erklärt die Buchung, beantwortet Fragen. Danach kennen alle das Gebäude — und niemand hat ausprobiert, wie man darin arbeitet. Am ersten Arbeitstag steuert deshalb jede und jeder den Platz an, der dem alten Schreibtisch am ähnlichsten sieht.

Eine Safari ersetzt das Erklären durch Tun. Für jede Zone gibt es eine Aufgabe, die ohne diese Zone nicht funktioniert: in Stille ein Konzept entwerfen, zu zweit eine Entscheidung treffen, zu sechst an einem offenen Problem arbeiten, ein Gespräch führen, das niemand mithören soll. Wer die Runde einmal gedreht hat, braucht keine Zonenbeschreibung mehr.

Für Führungskräfte hat das Format einen zweiten Zweck. Sie sind es, die nach dem Einzug gefragt werden, wo man was macht — und sie sind es, deren Verhalten die Fläche prägt. Wer selbst im Fokusbereich gearbeitet und im Projektraum diskutiert hat, gibt andere Antworten als jemand, der eine Präsentation gesehen hat.

Wir haben dieses Format in großem Maßstab eingesetzt und über mehrere Hundert Führungskräfte hinweg durchgeführt. Es funktioniert auch in kleinerem Rahmen — ab etwa acht Personen lohnt sich der Aufwand.

Gruppe auf einer neuen Bürofläche im Gespräch

So läuft es ab

Eine Safari besteht aus vier bis sechs Stationen. Jede Station steht für eine Zone und für eine Art zu arbeiten.

1. Stationen entwerfen

ein halber Tag Vorbereitung

Legt für jede Zone eine Aufgabe fest, die genau diese Zone braucht. Die Aufgaben sollten echt sein und aus dem Arbeitsalltag der Gruppe kommen — nicht aus einem Übungsbuch.

Beispiele: Im Fokusbereich zwanzig Minuten allein einen Text schreiben. In der Telefonbox ein Gespräch führen. Am Teamtisch zu viert eine Entscheidung vorbereiten. In der Lounge ein Gespräch beginnen, das man sonst nicht führen würde.

2. Gruppen bilden und einweisen

20 Minuten

Teilt die Gruppe in Untergruppen von drei bis fünf Personen. Jede Untergruppe startet an einer anderen Station und rotiert. Die Einweisung dauert fünf Minuten: Zeitplan, Reihenfolge, und der Hinweis, dass die Aufgaben ernst gemeint sind.

Verzichtet auf die einleitende Präsentation zum Raumkonzept. Sie nimmt der Safari genau den Effekt, um den es geht.

3. Durch die Stationen rotieren

20 bis 25 Minuten je Station

Jede Station hat eine kurze schriftliche Aufgabe vor Ort. Die Gruppen arbeiten selbstständig; eine Begleitung ist nur für Rückfragen da.

Nach jeder Station zwei Minuten Notiz: Wie war das? Was hat gut funktioniert, was hat gestört? Diese Notizen sind später die Grundlage für die Auswertung.

4. Auswerten

45 Minuten

Die Auswertung ist der Teil, in dem die Safari zur Führungsarbeit wird. Fragen: Welche Station war überraschend? Wo würdet Ihr künftig welche Arbeit machen? Was werdet Ihr Eurem Team empfehlen? Und: Was fehlt auf dieser Fläche?

Sammelt die letzten Punkte sorgfältig. Aus den Safaris kommen regelmäßig die besten Hinweise auf Lücken im Konzept — rechtzeitig genug, um noch etwas zu ändern.

5. Rückmeldungen ins Projekt geben

eine Stunde nach jedem Durchlauf

Sammelt die Beobachtungen aller Durchläufe an einer Stelle und gebt sie an die Projektleitung. Wiederkehrende Punkte sind belastbare Hinweise, keine Einzelmeinungen.

Leitfragen

Diese Fragen tragen die Auswertung und machen aus einem Erlebnis eine Erkenntnis.

  • An welcher Station hättest Du am liebsten länger gearbeitet?
  • Wo hast Du Dich unwohl gefühlt — und woran lag das?
  • Welche Deiner typischen Aufgaben hat auf dieser Fläche noch keinen guten Ort?
  • Was wirst Du am Montag anders machen als bisher?
  • Was wirst Du Deinem Team konkret empfehlen?

Typische Fallstricke

  • Aus der Safari eine Führung machen. Sobald jemand vorangeht und erklärt, ist der Effekt weg. Die Gruppen müssen selbst arbeiten.
  • Künstliche Aufgaben. Übungen, die niemand ernst nimmt, produzieren höfliche Rückmeldungen und keine Erkenntnis.
  • Zu große Gruppen. Über fünf Personen je Untergruppe wird an den Stationen zugeschaut statt gearbeitet.
  • Die Auswertung streichen, weil die Zeit knapp wird. Dann bleibt ein netter Vormittag ohne Konsequenz.
  • Nur Führungskräfte einladen. Das Format funktioniert für Teams genauso. Führungskräfte zuerst ist sinnvoll, Führungskräfte ausschließlich nicht.

Was Ihr braucht

Die fertige oder weitgehend fertige Fläche, Zugang zu allen Zonen, und je Station eine Aufgabenkarte in Papierform. Mehr braucht es nicht.

Hilfreich ist ein einfacher Zeitplan, der an jeder Station aushängt, und eine Person, die den Rhythmus im Blick behält. Bei mehreren parallelen Durchläufen lohnt ein akustisches Signal für den Wechsel.

Für die Auswertung: eine Wand, Karten, Stifte. Die Ergebnisse gehen weiter in Die ersten 90 Tage in der neuen Fläche.

Lieber gemeinsam?

Wir haben dieses Format für mehrere Hundert Führungskräfte durchgeführt und bringen die Dramaturgie, die Aufgaben und die Moderation mit.

Campus Safari als Begleitung

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Die vier Wochen vor dem Einzug sind ideal, die vier Wochen danach fast genauso gut. Früher steht die Fläche noch nicht fertig genug, um darin zu arbeiten; später haben sich die Sitzgewohnheiten bereits gebildet, und dann arbeitet Ihr gegen sie an statt mit ihnen.

Lohnt sich das auch bei einer umgebauten Etage?

Ja. Entscheidend ist nicht der Neubau, sondern dass sich die Logik der Fläche ändert — neue Zonen, neue Buchung, neue Nachbarschaften. Auch eine einzelne neu zonierte Etage rechtfertigt den Aufwand.

Wie viele Durchläufe planen wir ein?

Rechnet mit acht bis fünfzehn Personen je Durchlauf und plant so viele Termine, dass alle Führungskräfte einmal dabei waren. Danach die Teams, die es wollen. In einem Haus mit hundert Führungskräften sind das schnell zehn Termine — dafür lohnt es sich, zwei bis drei Personen im Haus als Moderation einzuarbeiten.

Wer moderiert die Stationen?

Am besten Menschen aus dem Haus, die nicht Teil des Projektteams sind — sie werden unbefangener gefragt. Die Moderation muss nichts erklären; sie hält den Takt, beantwortet Rückfragen und führt am Ende die Auswertung. Ein halber Tag Vorbereitung reicht dafür aus.

Was, wenn die Fläche noch Mängel hat?

Dann findet die Safari sie — und zwar bevor die Mängel zur Erzählung im Haus werden. Schreibt sie auf, gebt sie weiter und sagt der Gruppe offen, dass genau das der Zweck ist. Das nimmt dem Ganzen die Prüfungsatmosphäre und bringt die besseren Hinweise.

Lieber gemeinsam starten?

Wenn bei Euch ein Einzug ansteht, sprechen wir über die Dramaturgie. 30 Minuten Erstgespräch, kostenlos.

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