Wofür agil?

Agiles Arbeiten ist sehr vielseitig und lässt sich auf eine breite Palette von Themen, Bereichen und Problemen anwenden. Welche Vorteile sich dadurch ergeben, welche Probleme Du damit lösen kannst und für welche Arten von Problemen und Anforderungen sich agiles Arbeiten besonders eignet, erfährst Du auf dieser Seite.

Inhaltsverzeichnis

Starten wir zunächst mit einer visuellen Verdeutlichung: das Bild mit dem Containerschiff auf der linken Seite steht für klassische Ansätze, während das Bild rechts daneben im Vergleich dazu die Unterschiede und Vorteile des agilen Arbeitens repräsentiert.

Vorteile agilen Arbeitens

Agile Arbeitsweisen haben viele Vorteile. Eine höhere Flexibilität und schnellere Anpassungsfähigkeit stellt in unserer modernen, globalisierten und digitalisierten Welt an sich schon einen Wettbewerbsvorteil dar. Dazu kommt darüber hinaus, dass auch viele weitere Aspekte agilen Arbeitens sich positiv auf organisationale Prozesse und Outcomes auswirken. Es folgt eine Liste der wichtigsten Vorteile, inklusive einer kurzen Erklärung zu jedem einzelnen Punkt.

  • Flexibleres Agieren und dynamisch reagieren: Agile Ansätze ermöglichen es Unternehmen, sich an die komplexen, ständigem Wandel unterliegenden Umgebungsbedingungen anzupassen und auf Marktentwicklungen schnell und dynamisch reagieren zu können.
  • Krisensicheres Arbeiten: Agile Arbeitsweisen sind optimal, um unternehmerische Risiken zu minimieren und für unvorhergesehene Entwicklungen gewappnet zu sein. Denn hohe Flexibilität und schnelle Reaktions- und Adaptionsfähigkeit sind genau die Vorraussetzungen, die notwendig sind, um auch in krisenreichen Zeiten und gegenüber unvorhersehbaren Entwicklungen bestehen und sich durchsetzen zu können.
  • Günstige Fehlerkultur: Fehler und anfängliche Mängel sind im agilen Arbeiten nichts Negatives, sondern eine Chance für neue Erkenntnisse, gemeinsames Lernen und Produkt- und Prozessoptimierung. Perfektionismus ist hier fehl am Platz und auf Fehler folgt statt negativen Konsequenzen proaktive Optimierung. Dieser offene und konstruktive Umgang mit Fehlern und Rückschlägen fördert psychologische Sicherheit im Team und liefert eine gute Basis für erfolgreiche Zusammenarbeit.
  • Bessere, innovativere Ergebnisse & stärkere Kundenorientierung: Das kleinschrittige Vorgehen in Verbindung mit kontinuierlichem Kund:innenfeedback ermöglicht das Finden innovativerer Lösungen und das Erreichen besserer Ergebnisse, da nicht spekuliert wird, wie eine erfolgreiche Lösung auszusehen hat. Stattdessen werden die Kund:innenwünsche regelmäßig direkt erfragt und das erhaltene Feedback in die Entwicklung integriert – das Ergebnis sind oft nicht nur eine höhere Kund:innenorientierung, sondern auch komfortablere, schnellere oder effektivere Lösungen als die, die durch klassische Ansätze entstehen.
  • Mehr Transparenz: Agile Arbeitsweisen liefern größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten in Bezug auf den Projektfortschritt. Da zum einen sowohl Auftraggebende als auch Kund:innen aktiv in die Entwicklung mit einbezogen werden und agiles Arbeiten zum anderen so abläuft, dass einzelne Arbeitsschritte nicht sequenziell nacheinander, sondern in wiederkehrenden Zyklen wiederholt und parallel zur gleichen Zeit erfolgen, haben alle Parteien stets die Möglichkeit, den Fortschritt des Projektes im Blick zu behalten und die Projektdauer realistisch einzuschätzen.
  • Nachhaltiges & effizientes Arbeiten: Die kurze Time-to-Market und der ständige Fokus von agilen Arbeitsweisen auf Effizienz und Prozessoptimierung sorgen für nachhaltige Arbeitsprozesse und für die Vermeidung der Verschwendung von Ressourcen jeglicher Art (Zeit, Geld, Energie, Arbeitskraft, etc.), sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene.
  • Zufriedenere & engagiertere Mitarbeiter:innen: Der hohe Grad an Autonomie, den Teams durch die Selbstorganisation ihrer Arbeit im Rahmen von agilen Arbeitsweisen genießen, geht nicht nur mit flexibleren Arbeitsbedingungen einher, sondern erhöht auch Kontrolle und Selbstwirksamkeitserleben der Mitarbeitenden und fördert Zufriedenheit, Motivation und Engagement.
  • Höhere Bindung ans Unternehmen: Zudem stärken flexiblere Arbeitsbedingungen Arbeitgeberpopularität und wirken sich, genau wie eine erhöhte Arbeitszufriedenheit, positiv auf die Bindung der Mitarbeitenden ans Unternehmen aus – ein Phänomen, was in Zeiten von dauerhaft hohen Fluktuationsquoten einen beträchtlichen Vorteil und enorme Einsparung von Folgekosten für Unternehmen bedeutet.

Wo funktioniert agiles Arbeiten besonders gut? – Und wo nicht?

Agile Arbeitsweisen eignen sich besonders gut für komplizierte oder komplexe Situationen und Probleme, bei denen das am besten geeignete Vorgehen (noch) unklar und die Anforderungen an eine gute Lösung zu Beginn nur schwer ersichtlich und unüberschaubar sind oder permanentem Wandel unterliegen. In dieser Art Kontext funktioniert agiles Arbeiten besonders gut, weniger gut dagegen in Kontexten mit hoher Klarheit und Vorhersehbarkeit, in denen das optimale Vorgehen und die Anforderungen an eine gute Lösung bereits zu Beginn eindeutig und ersichtlich sind. Hier sind agile Arbeitsweisen überflüssig, da in solchen Situationen das geeignetste Vorgehen bereits vor Beginn der Arbeit klar und eine ergebnisoffene Lösungssuche daher nicht notwendig ist.
Genauso wenig Sinn macht der Einsatz von agilen Arbeitsweisen für chaotische Situationen.
Hier wird davon ausgegangen, dass das System ohnehin keinerlei erkennbaren Regeln folgt, ein günstiges Vorgehen oder eine geeignete Strategie hier also eh nicht zu entwickeln sind, da keine Strukturen oder Prinzipien existieren, an denen sich dabei orientiert werden kann. Unter solchen Voraussetzungen wird Planung und (Projekt-) Management generell unmöglich, daher können hier auch agile Arbeitsweisen nur wenig ausrichten.
Diesen Zusammenhang siehst du auf der folgenden Abbildung noch einmal graphisch verdeutlicht.

Darüber hinaus benötigt agiles Arbeiten ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstorganisation. In Kontexten, in denen Teams nicht autonom und selbstorganisiert tätig sein und ihre eigenen Entscheidungen treffen können, sondern hierarchisch von oben kontrolliert und angewiesen werden, kann agiles Arbeiten keine Wirkung entfalten und wird durch die Umgebungsstruktur extrem erschwert bis unmöglich.

Agilität ist mehr als die bloße Anwendung agiler Methodik. Agilität ist eine Haltung, ein Mindest, das weit über die bloße Methodenanwendung hinausgeht.
Wird Agilität im Unternehmen wirklich gelebt, unterstützen sich agile Methodik und die dahinter stehende Haltung gegenseitig und fördern Transparenz, offene Kommunikation, Vertrauen, die gemeinsame Ausrichtung, Flexibilität und Veränderungsbereitschaft sowie Autonomie und Eigenverantwortung in der gesamten Organisation.

Agiles Arbeiten, das über die bloße Anwendung agiler Methodik, Prozesse und Praktiken hinausgeht und die gesamte Organisation tatsächlich flexibler, dynamischer und anpassungsfähiger macht, kann kein individueller Ansatz Einzelner sein. Als Unternehmen wirklich agil zu sein, fängt bei der eigenen Haltung an und bedeutet die Einbettung agiler Arbeitsweisen in eine Kultur und in eine Unternehmensstruktur, die Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft, offene Kommunikation, Transparenz, Vertrauen und kontinuierliches Lernen tatsächlich fördern, statt alte Strukturen und Prozesse zu schützen und bewahren zu wollen. Nur in einem solchen Umfeld und mit einer Prise Mut zu Veränderung können agile Arbeitsweisen ihr volles Potenzial wirklich entfalten und den größtmöglichen Nutzen liefern.

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