Die Studie mit dem Titel „Project Aristotle“ sollte Antworten auf die Frage liefern, welche Faktoren bei Google für den Erfolg von leistungsstarken Teams verantwortlich sind, und die Elemente, Muster und Verhaltensweisen aufdecken, die in den bei Google arbeitenden Teams zu Hochleistung und effizienter Zusammenarbeit führen.
Insgesamt nahmen 37.000 Personen aus 180 verschiedenen, bei Google arbeitenden Teams aus den Bereichen Sales und Engineering an der Studie teil.
STOPP – vor dem Weiterlesen eure Teameigenschaften testen!
TIPP: Du möchtest herausfinden, ob auch dein Team über die Eigenschaften verfügt, die Google für den Teamerfolg verantwortlich macht? Dann mach jetzt unseren Team Performance Check und teste, was euch zum High Performing Team noch fehlt!
Direkt zum Team Performance CheckIm Anschluss kannst du dann diesen Artikel hier weiterlesen. Auf diese Weise erhältst du einen noch umfassenderen Einblick in das Thema Team Performance, kannst die Studienergebnisse direkt auf dein eigenes Team anwenden und dadurch ebenfalls von den Erkenntnissen aus Googles Forschung profitieren.
Wenn du an unserem Selbsttest interessiert bist und damit untersuchen willst, wie es in deinem Team um die Eigenschaften steht, die bei Google zu High Performance beitragen, dann tu dies bitte jetzt, bevor du die nachfolgende Beschreibung der vollständigen Studienergebnisse gelesen hast.
Tust du das nicht und liest zuerst, was die Untersuchung ergeben hat, nimmst du dir damit selbst die Chance auf ein möglichst genaues und verlässliches Testergebnis, indem du dir bereits vor dem Ausfüllen der Testfragen vergegenwärtigst, was die für ein günstiges Ergebnis erwünschten Antworten wären, wodurch sich dann am Ende eine Verzerrung deines Testscores ergeben kann (das passiert unbewusst, völlig automatisch) - und das wäre doch schade, denn du willst ja dein „echtes“ Ergebnis und nicht einen künstlich verbesserten Score, der dir vielleicht für einen kurzen Moment die Stimmung hebt, dafür aber keinerlei Erkenntnisse liefert oder dich gar auf neue Ideen bringt.
Nutze also jetzt diesen Moment und mach vor dem Weiterlesen den Test, wenn du daran interessiert bist.
Wenn du damit fertig bist, kannst du im folgenden Abschnitt wieder einsteigen und mehr über das Project Aristotle und über die daraus abgeleiteten Erkenntnisse erfahren.
Project Aristotle
Im Rahmen des Project Aristotle hat Google 250 verschiedene Charakteristiken und Teameigenschaften in Bezug auf ihren Zusammenhang mit dem Teamerfolg und der Teamleistung analysiert.
Dabei wurde einerseits der Einfluss der Zusammensetzung des Teams auf die Teameffizienz untersucht, beispielsweise anhand von Faktoren, wie persönliche Fähigkeiten, Charaktereigenschaften, interpersonelle Skills oder demographische Merkmale innerhalb des Teams.
Gleichzeitig wurden aber auch Faktoren, die die Teamdynamik und das Erleben und die Gefühle der Teammitglieder betreffen, berücksichtigt und in die Untersuchung miteinbezogen.
Für diesen Zweck wurden bei Google unterschiedliche Datenquellen kombiniert, die den Erfolg der untersuchten Teams abbilden sollten.
Unter den Erfolgsindikatoren befanden sich hierbei sowohl quantitative Angaben, wie etwa konkrete Verkaufszahlen, als auch qualitative Einschätzungen der Team Performance, wie beispielsweise subjektive Beurteilungen der Teamleistung durch leitende Angestellte, Manager und einzelne Team Mitglieder.
Qualitative Daten, wie die Beurteilungen der Teamleistung, wurden in double-blind Interviews erhoben und zusätzlich zu den extra für diese Untersuchung gesammelten Daten wurden auch bereits existierende Umfragedaten aus anderen Google-Studien verwendet und in die Analysen miteingebracht.
Letzte Chance, um eure Teameigenschaften zu testen!
Hier ist nun der wirklich letzte Moment, um dich doch noch einmal umzuentscheiden und den Team Performance Check auszufüllen, ohne die Verzerrung der eigenen Testergebnisse in Kauf zu nehmen.
Deine letzte Chance, um zu entdecken, wie es in deinem Team um eure Teameigenschaften bestellt ist und wo auf eurem Weg zum High Performing Team noch Entwicklungspotenziale schlummern könnten.
Und was hat Google anhand dieser Daten herausgefunden? Was war das Ergebnis des Project Aristotle?
Nun, als erstes konnten vier Schlüsselfaktoren erfolgreicher Teams identifiziert werden, die sich auf die Art und Wiese beziehen, wie Teams ihre Arbeit strukturieren, miteinander interagieren und den Beitrag ihrer Arbeit wahrnehmen. Zu ihnen werden wir weiter unten in diesem Artikel noch ausführlicher kommen.
Denn wir wollen uns zunächst dem interessantesten und unerwartetsten Ergebnis dieser Untersuchung zuwenden. Vielleicht wird es auch dich überraschen, so wie die Forschenden bei Google, oder du hast es insgeheim, so wie wir, auch schon immer geahnt. Denn Google stellte fest, dass die Leistung seiner Teams weniger durch die Art der Zusammensetzung dieser Teams beeinflusst wurde, also davon wer in einem Team ist, sondern viel mehr von der Art der Zusammenarbeit der Teams abzuhängen schien, also entscheidender dadurch beeinflusst wurde, wie innerhalb des Teams miteinander gearbeitet wurde als dadurch aus wem das Team bestand.
Es reicht also nicht aus, lediglich ein Team aus einzelnen, kompetenten Leistungsträgern in einer klaren Hierarchiestruktur zusammenzustellen, um erfolgreiche Teamarbeit möglich zu machen. Viel mehr legen die Ergebnisse von Google nahe, dass der entscheidendste Einflussfaktor auf den Erfolg und die Effizienz der Zusammenarbeit der dortigen Teams, eine wertschätzende, respekt- und vertrauensvolle Kultur unter den Teammitgliedern zu sein scheint.
Für den Teamerfolg bei Google kommt es also weniger auf die Talente und spezifischen Fähigkeiten der einzelnen Teammitglieder an, sondern viel mehr auf die impliziten, unausgesprochenen Normen und Werte und das Maß an gegenseitigem Vertrauen, das sich die Mitglieder des Teams entgegenbringen.
Psychologische Sicherheit – und was sie bedeutet
Dies scheint zunächst erst einmal überraschend und unerwartet, herrschte doch im Arbeitskontext lange Zeit das Idealbild des Top Performers vor, eines einsamen, individualistischen und heldenhaften Leistungsträgers, der oder die das halbe Projekt im Alleingang schultert, mit dessen innovativen Ideen alles steht und fällt und die zu finden und zu binden lange Zeit der Fokus vieler Führungskräfte und HR-Profis war.
Doch Googles Project Aristotle zeigt nun, dass Talente allein noch kein großartiges Team garantieren.
Tatsächlich ist das dahinterstehende Konzept auch gar keine neue Idee. Man spricht davon in der Psychologie als Psychologische Sicherheit, ein Konstrukt, das auf die amerikanische Sozialwissenschaftlerin Amy C. Edmonson zurückgeht, die bereits 1999 erstmals über die Bedeutung von Psychologischer Sicherheit für Teamarbeit und organisationales Lernen publizierte.
Edmonson, Professorin für Führung und Management an der Harvard Business School, geht auf Basis ihrer Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre davon aus, dass Psychologische Sicherheit sich positiv auf Leistung, Engagement und Einsatzbereitschaft am Arbeitsplatz auswirkt und eine der Grundvoraussetzungen für eine lernorientierte Arbeitsatmosphäre darstellt.
Doch was ist damit genau gemeint? Was bedeutet das abstrakte Konzept der Psychologischen Sicherheit und wie zeigt es sich in der Praxis?
Psychologische Sicherheit beschreibt die individuelle Wahrnehmung einzelner Individuen von den Konsequenzen, die mit dem Eingehen sozialer und zwischenmenschlicher Risiken einhergehen.
Damit ist gemeint, wie sicher sich die einzelnen Individuen einer Gruppe fühlen, sich voreinander verletzlich zu zeigen, Fehler zuzugeben, genauer nachzufragen, Einwände vorzubringen oder neue Ideen miteinander zu teilen, ohne Angst dabei zu haben, als Konsequenz dafür von den anderen Gruppenmitgliedern verspottet, abgewertet oder als anderweitig störend oder negativ bewertet zu werden.
In Teams mit hoher Psychologischer Sicherheit herrscht ein reger, freier und ungehemmter Austausch. Teammitglieder fühlen sich frei und sicher, voreinander soziale Risiken einzugehen, wie beispielsweise einen Fehler einzugestehen, eine unpopuläre Meinung, Kritik oder Einwände vorzubringen und auf Probleme hinzuweisen. Sie sind überzeugt davon, dass kein anderes Teammitglied sie bloßstellen, beschämen oder bestrafen wird, wenn sie einen Fehler zugeben oder eine neue, eventuell noch unfertige Idee mit dem Team teilen.
Fehlt es im Team dagegen an Psychologischer Sicherheit, kann dies die Kommunikation im Team stark einschränken und dazu führen, dass Teammitglieder lieber schweigen als relevante Informationen, innovative neue Ideen oder Umstände, die sie selbst in einem ungünstigen Licht dastehen lassen, miteinander zu teilen, weil sie Angst haben, von Vorgesetzten oder anderen Teammitgliedern als negativ, ignorant, inkompetent, oder störend beurteilt zu werden.
Dies wirkt sich nicht nur negativ auf die Teamatmosphäre, die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, die Leistung und Effizienz sowie die Lernbereitschaft und die Innovationskraft eines Teams aus, sondern kann zudem noch hohe Kosten für vermeidbare Fehler verursachen, wenn sich die Teammitglieder nicht trauen, Fehler frühzeitig anzusprechen oder auf die fehlerverursachenden Umstände rechtzeitig hinzuweisen, aus Angst, dann selbst für den Missstand verantwortlich gemacht und deshalb abgewertet zu werden ("Kill-The-Messenger"-Prinzip).
Anhand dieser negativen, praktischen Konsequenzen von fehlender Psychologischer Sicherheit im Arbeitskontext wird nun auch klar, warum dieses Konzept und die Herstellung einer positiven, wertschätzenden und vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre von so großer Bedeutung für den Teamerfolg sind.
Denn laut Googles Studienergebnissen, so Edmundson, brauchen selbst die klügsten und talentiertesten Mitarbeitenden ein Team mit sicherer und vertrauensvoller Arbeitsatmosphäre, um ihre Talente voll ausschöpfen und mit ihren Fähigkeiten gewinnbringend zum Teamerfolg beitragen zu können.
"What they discovered was that even the extremely smart, high-powered employees at Google needed a psychologically safe workenvironment to contribute their talents",
sagt Edmundson.
Die 5 Eigenschaften erfolgreicher Teams
Nun aber endlich zum Rest der Ergebnisse, die Google aus den Daten des Project Aristotle abgeleitet hat.
Neben Psychologischer Sicherheit als bedeutsamstem Einflussfaktor auf den Teamerfolg, wurden noch 4 weitere Eigenschaften hoch-leistungsfähiger und effizient zusammenarbeitender Teams identifiziert. Die folgende Liste zeigt sie, geordnet entsprechend ihrer Bedeutsamkeit für die Teamleistung.
🔐 1. Psychologische Sicherheit
Es herrscht eine vertrauensvolle Atmosphäre im Team und die Teammitglieder fühlen sich sicher, um zwischenmenschliche Risiken einzugehen, sich voreinander verletzlich zu zeigen, Ideen miteinander zu teilen und Fehler einzugestehen, ohne Angst vor Bewertung oder Vergeltung.
✅ 2. Zuverlässigkeit
Jedes Teammitglied erledigt seine Aufgaben fristgerecht und in der erwarteten Qualität. Wenn Teammitglieder ankündigen, etwas zu tun, können sich alle darauf verlassen, dass dies auch passiert.
🗃 3. Struktur & Übersichtlichkeit
Die Teammitglieder haben klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Ziele. Alle wissen, was sie tun sollen, welche Aufgaben sie zu erledigen haben und welche kurz- und langfristigen Ziele erreicht werden sollen.
🫶 4. Sinn
Die Teammitglieder erkennen eine Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit für sich und andere. Sie wissen, welchen Mehrwert ihre Arbeit schafft und auf welche Weise sie selbst und andere davon profitieren.
✌️ 5. Wirkung
Die Teammitglieder spüren, dass ihre Arbeit eine Bedeutung hat und etwas verändert. Sie haben den Eindruck, damit etwas im Unternehmen bewirken zu können und zu der Erreichung der Unternehmensziele beizutragen.
Implikationen für die Praxis – was du aus Googles Ergebnissen lernen kannst
Wissenschaftliche Studien und abstrakte, theoretische Konzepte hin oder her – was bedeutet das denn nun praktisch für dich und dein Team? Was könnt ihr aus den Ergebnissen des Project Aristotle lernen und mitnehmen?
Ganz schön viel. Allem voran, ein größeres Bewusstsein für die besondere Bedeutung von Psychologischer Sicherheit und einer positiven, wertschätzenden und vertrauensvollen Atmosphäre im Team. Denn sie sind nicht nur für das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit der Teammitglieder von zentraler Relevanz, sondern besitzen auch einen deutlich größeren Einfluss auf die Leistung, die Effizienz und den Erfolg eines Teams, als bisher vermutet und postuliert.
Solche neuen Erkenntnisse, sind nicht nur spannend, sondern stärken und unterstützen zudem auch Perspektiven und Ansätze, wie das New Work Mindset, die die zentrale Wichtigkeit der Unternehmenskultur, sowohl auf organisationaler als auch auf individueller Ebene, betonen und immer wieder ihren bedeutsamen Einfluss auf verschiedenste (positive sowie negative) organisationale Outcomes hervorheben.
Eine Beschäftigung mit der eigenen Kultur im Unternehmen und der Atmosphäre in deinem Team, kann also auf mehreren Ebenen höchst gewinnbringend sein und sich gleich auf eine Vielzahl von Prozessen positiv auswirken.
Dies kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise geschehen. Je nachdem, welche Bedürfnisse, Anliegen und Ressourcen ihr in eurem Team habt, könnt ihr verschiedenste Dinge tun, um Psychologische Sicherheit in eurem Team zu stärken und euch mit eurer Teamatmosphäre auseinanderzusetzen.
Die gemeinsame Beschäftigung mit im Team geteilten Werten und implizit geltenden Normen und Erwartungen ist hier meist ein guter erster Ansatzpunkt, aber auch die Verständigung auf bestimmte Regeln und Best Practices für Kommunikation und Zusammenarbeit, Feedback- oder andere Kommunikationstrainings und die Reflektion des bisherigen Umgangs mit Fehlern im Team sowie Bestrebungen zur Etablierung einer günstigen Fehlerkultur im gesamten Unternehmen können helfen. In Teams, die sich noch nicht so gut kennen, kann ein informelles Teambuilding zum Aufbau von gegenseitigen Beziehungen und Vertrauen ein passender erster Schritt sein.
Natürlich könnt ihr auch gleich einen kompletten Teamtag oder eine ganze Seminar- oder Workshop-Reihe zum Thema Psychologische Sicherheit oder zu einem noch spezifischeren Unterthema, das inhaltlich mit Psychologischer Sicherheit zusammenhängt, planen und durchführen.
Häufig kann es zudem hilfreich oder notwendig sein, sich bei diesem Prozess extern unterstützen zu lassen. Dadurch fällt es oft leichter, alle Perspektiven wertschätzend zu inkludieren und ihnen gleichermaßen Gehör zu verschaffen.
In Teams und Organisationen, in denen es stark an Psychologischer Sicherheit hapert, kommt es nicht selten erst dadurch überhaupt zur Herstellung einer produktiven und angstfreien Gesprächsatmosphäre, die die Basis für die gewinnbringende Auseinandersetzung mit dem Thema und für die Lösung aller weiterer, sich daraus ergebenden Herausforderungen und Anliegen darstellt.
Zögert also nicht - ran an die Unternehmenskultur, eure Teamatmosphäre und die Psychologische Sicherheit in eurem Team! Damit Arbeit sich noch mehr lohnt und dabei dann auch noch Spaß machen kann ;-)