KI-Experte im Unternehmen: Rolle, Aufgaben, Qualifikation

„Wir bräuchten mal einen KI-Experten." Der Satz fällt in vielen Unternehmen – und meint drei verschiedene Dinge. Diese Seite klärt, welche Rolle ihr tatsächlich sucht, was sie können muss und ob ihr sie einkauft oder aufbaut.

Eigene KI-Experten ausbilden

Was ist ein KI-Experte?

Ein KI-Experte ist eine Person, die Künstliche Intelligenz im jeweiligen Anwendungskontext fachlich beurteilen und ihren Einsatz verantworten kann. Der Begriff ist weder geschützt noch einheitlich definiert – wer ihn benutzt, sollte deshalb dazusagen, welche der drei sehr unterschiedlichen Rollen gemeint ist.

Diese Unschärfe ist der Grund, warum Stellenausschreibungen und Beratungsanfragen zum Thema so oft aneinander vorbeigehen. Ein Unternehmen sucht jemanden, der Copilot im Team verankert, und bekommt Bewerbungen von Data Scientists. Oder umgekehrt.

Der technische Experte

Entwickelt und trainiert Modelle, arbeitet mit Daten, baut Systeme. Data Scientist, ML Engineer, KI-Entwickler.

Braucht ihr, wenn KI Bestandteil eures Produkts wird oder ihr eigene Modelle betreibt.

Im Mittelstand selten die richtige Antwort – und schwer zu bekommen.

Der Anwendungsexperte

Kennt die verfügbaren Werkzeuge, weiß was sie leisten, erkennt Anwendungsfälle und befähigt Kolleg:innen. Oft „KI-Champion" oder „KI-Beauftragter" genannt.

Braucht ihr, wenn ihr KI im Arbeitsalltag nutzen wollt – also in den allermeisten Fällen.

Kommt meist aus den eigenen Reihen.

Der Governance-Experte

Beurteilt Zulässigkeit, Risikoklassen und Nachweispflichten. Arbeitet an der Schnittstelle zu Datenschutz, Recht und Compliance.

Braucht ihr, wenn ihr in regulierten Bereichen arbeitet oder Hochrisiko-Anwendungen plant.

Häufig eine Teilrolle der Datenschutzbeauftragten.

Welche Rolle braucht ihr wirklich?

Die Frage lässt sich mit einem einzigen Test klären: Wollt ihr KI bauen oder KI benutzen?

Wer sie benutzen will – und das trifft auf den weit überwiegenden Teil des Mittelstands zu – braucht keinen technischen Experten. Er braucht jemanden, der weiß, welche Werkzeuge im Haus freigegeben sind, welche Aufgaben sich lohnen, wo die Grenzen liegen und an wen man sich bei Fragen wendet. Das ist eine Rolle, keine Stelle: Sie lässt sich neben einer bestehenden Aufgabe ausfüllen.

Der häufigste Fehler ist, diese Rolle gar nicht zu besetzen. Dann nutzen einzelne KI über private Zugänge, niemand ist ansprechbar, und es entsteht Schatten-KI – mit allen Folgen für Datenschutz und Nachweisbarkeit.

Was ein KI-Anwendungsexperte können muss

  • Verstehen, wie generative KI funktioniert – und warum sie erfindet. Ohne dieses Verständnis wird jede Qualitätsdiskussion zur Glaubensfrage.
  • Anwendungsfälle erkennen und bewerten. Nicht jede Idee lohnt sich. Die Fähigkeit, das früh zu unterscheiden, spart am meisten Geld.
  • Wirksam prompten und es weitergeben können. Die Vermittlung ist dabei schwerer als das Können.
  • Die Spielregeln kennen und vertreten. Was darf hinein, was nicht, wo prüft ein Mensch.
  • Den Rechtsrahmen grob einordnen. Kein Jurist sein, aber wissen, wann es einer wird.
  • Ansprechbar sein. Die unterschätzteste Anforderung – und die, an der es am häufigsten scheitert.

Wer dafür in Frage kommt

Nicht zwingend jemand aus der IT. In unseren Ausbildungen sitzen ebenso oft Menschen aus Verwaltung, Vertrieb, Personalentwicklung oder Qualitätsmanagement – und das funktioniert häufig besser.

Der Grund ist einfach: Wer die Arbeitsabläufe kennt, erkennt sinnvolle Anwendungsfälle schneller als jemand, der die Technik kennt. Technisches Grundverständnis lässt sich in Tagen aufbauen, Prozesswissen nicht.

Was die Person mitbringen sollte: Interesse am Thema, Geduld mit Kolleg:innen und genug Standing im Haus, dass ihre Einschätzung zählt. Wer nur wegen freier Kapazität benannt wird, füllt die Rolle selten aus.

Einkaufen oder aufbauen?

Beides hat seinen Platz, und die Antwort hängt daran, ob ihr einen Startschuss oder eine Dauerlösung braucht.

  1. Externe Expertise für den Anfang. Eine Standortbestimmung, eine bewertete Use-Case-Landkarte, die ersten Spielregeln – das geht mit Begleitung schneller und mit weniger Umwegen. Dafür gibt es den KI Strategie Workshop und den KI Sprint.
  2. Eigene Leute für die Dauer. Jede externe Begleitung endet. Was bleibt, muss im Haus getragen werden. Deshalb bilden wir in fast jedem Projekt parallel interne Ansprechpersonen aus.

Die reine Einkaufslösung – ein externer KI-Experte auf Abruf – funktioniert für einzelne Fragen und nicht für den Alltag. Wer bei jeder Unsicherheit anrufen muss, fragt irgendwann nicht mehr und macht es einfach.

Eigene KI-Experten ausbilden

Unsere KI-Champions Ausbildung ist genau auf diese Rolle zugeschnitten: Anwendungskompetenz, Vermittlungsfähigkeit und die Spielregeln, die eine interne Ansprechperson vertreten können muss.

Zur KI-Champions Ausbildung

Externe Begleitung

Wenn ihr für den Anfang jemanden von außen braucht – für die Standortbestimmung, die Priorisierung oder die ersten Spielregeln:

Vorher selbst einordnen: der KI-Reifegrad-Check fragt in fünf Minuten zwölf Aussagen ab.

Häufige Fragen zur Rolle

Was macht ein KI-Experte?

Das hängt von der Rolle ab. Ein technischer Experte entwickelt und betreibt Modelle. Ein Anwendungsexperte erkennt Anwendungsfälle, befähigt Kolleg:innen und vertritt die Spielregeln im Haus. Ein Governance-Experte beurteilt Zulässigkeit und Nachweispflichten. Im Mittelstand ist fast immer der Anwendungsexperte gemeint – auch dann, wenn die Stellenausschreibung anders klingt.

Welche Ausbildung braucht ein KI-Experte?

Für die technische Rolle in der Regel ein Studium in Informatik, Mathematik oder einem verwandten Fach. Für die Anwendungsrolle nicht: Dort zählt Prozesswissen aus dem eigenen Haus mehr als ein Abschluss. Der Kompetenzaufbau lässt sich mit einer gezielten Ausbildung in wenigen Tagen bis Wochen leisten.

Ist „KI-Experte" eine geschützte Berufsbezeichnung?

Nein. Der Begriff ist weder geschützt noch einheitlich definiert. Wer ihn in einer Stellenausschreibung oder einer Anfrage verwendet, sollte deshalb beschreiben, welche Aufgaben gemeint sind – sonst reden Suchende und Anbietende aneinander vorbei.

Brauchen wir einen KI-Beauftragten wegen des EU AI Act?

Die Verordnung schreibt keine benannte Rolle vor, wie es der Datenschutz mit dem Datenschutzbeauftragten tut. Artikel 4 verlangt aber ein angemessenes Maß an KI-Kompetenz bei allen, die KI im Auftrag des Unternehmens einsetzen – und das nachweisbar. In der Praxis braucht es dafür jemanden, der sich zuständig fühlt. Ob ihr das formal benennt, ist eure Entscheidung; unsere Erfahrung spricht dafür.

Was kostet ein externer KI-Experte?

Tagessätze für KI-Beratung bewegen sich in einer breiten Spanne und hängen stark vom Zuschnitt ab. Die nützlichere Frage ist meist eine andere: Wie viele Tage braucht ihr wirklich? Für eine Standortbestimmung mit Priorisierung reichen häufig zwei bis vier Tage. Über INQA-Coaching sind bis zu zwölf Tage mit 80 Prozent förderfähig.

Kann eine Person das neben ihrem Job machen?

In kleineren Organisationen ja, und das ist der Normalfall. Rechnet mit etwa einem halben Tag pro Woche in der Anfangsphase, danach deutlich weniger. Wichtig ist, dass diese Zeit eingeplant und nicht erwartet wird – eine Rolle ohne Zeitbudget bleibt ein Titel.

Reicht eine Person für ein Unternehmen mit 200 Beschäftigten?

Selten. Ab etwa 100 Beschäftigten empfehlen wir mehrere Ansprechpersonen, verteilt über Bereiche oder Standorte. Eine einzelne Person wird sonst zum Engpass – und fällt bei Urlaub und Krankheit komplett aus.

Welche Rolle passt zu eurer Situation?

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, ob ihr externe Begleitung, eine interne Ansprechperson oder beides braucht – und was das realistisch bedeutet.

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Stand: 17.09.2026. Diese Seite ist eine organisatorische Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die Bewertung von Pflichten aus dem EU AI Act in eurem konkreten Fall zieht bitte juristische Expertise hinzu.